Was will uns der Künstler denn jetzt damit sagen?

Wer sich die Fotografien von Mathias Richling anschaut und weiss, was Mathias Richling sonst auf Bühnen oder im Fernsehen so treibt, wird in den meisten Fällen diese Bilder zumindest voreingenommen betrachten. Denn er wird versucht sein, in ihnen die Karikatur zu entdecken, das Überzeichnen, die Ironie.
Ja vielleicht sogar das Politisch-Kabarettistische.
Die ständige Frage vieler Ausstellungs- und Vorstellungs-Besucher wird durch Vorkenntnisse über den Urheber in diesem Fall scheinbar erleichtert:
"Was will der Künstler uns damit sagen??"
Und die Antwort darauf ist deshalb gleich eine neue Frage:
"Wo ist denn bei diesen Bildern jetzt das Parodistische?"
Aber erinnern wir uns an dieser Stelle an Paul Potts, der mit seiner Stimme und einigen Opern-Arien im englischen Talent-Wettbewerb "Britains got talent" haushoch siegte. Bis dahin ging er einer Tätigkeit nach als Mobiltelefon- verkäufer. Die Frage nach dem Parodistischen in Richlings Fotografien entspricht hier der Feststellung:
"Beim Gesang von Paul Potts vermisse ich die Klingeltöne!"
Deswegen ist für das Betrachten dieser Fotografien offensichtlich von Vorteil, Mathias Richling nicht zu kennen oder aus einem Land zu kommen, in dem man ihn nicht kennt. Und davon gibt es ausgesprochen viele.
Wenn Sie diese Voraussetzungen erfüllen und nach dem Wahrnehmen der Fotografien einmal eine Bühnenshow von Richling erleben, besteht natürlich wieder die Gefahr, dass Sie in seinen Texten die Schwarz-Weiss-Malerei vergeblich suchen. Wenn Sie die Voraussetzungen nicht erfüllen, mögen Ihnen im Folgenden ein paar Erklärungshilfen nützlich sein:
Die Fotografien von Mathias Richling sind durch starke Kontrastierung konzentriert auf Details aus menschlichen Körpern, die wir im täglichen Leben oft so nicht wahrnehmen.
Durch Ausschnitt-Vergröberung entstehen Assoziationen, die wir in andere Umgebungen projizieren, wenn etwa das Kreuz, das zusammen stehende Beine mit dem Hintern bilden, sich wieder findet in einer Stein-Formation. Oder wenn eine in Sand vergrabene Hand, von der nur noch die Venen sichtbar sind, sich im nÃchsten Bild assoziativ wieder findet als bereits in Natur übergegangene Wellenlinien.
Eine Quintologie von behaarten Knieen endet in der Vergrösserung kräuseliger Haare, die bei genauer Betrachtung als Stein-Flechte entlarvt werden kann. Das heisst, Formen, des menschlichen Körpers spiegeln sich wider in Natur- Formen von Steinen, Sand und Pflanzen:
Wenn zum Beispiel sich Grübchen und Falten eines Gesichtes vervielfältigen in dem Mulden des Watts, vor dem das Gesicht aufgenommen wurde. Und was an Unebenheiten der Natur, des Wassers oder der in den Sand geprägten Wellen dasteht, zentriert sich in den Vertiefungen des Gesichts. Oder eines Körpers. Eines Körpers, von dem es unerheblich ist, ob er alt ist oder jung, männlich oder weiblich, schwarz oder weiss ist, oder ob er zu einer bekannten oder unbekannten Person gehört. Es geht meist nur um eine "Vernaturierung" von Körpern. Wenn sich beispielsweise der vordere Abschluss eines Strandes, auf dem sich die letzten Badenden gerade zur Abfahrt bereit machen, als menschliches, behaartes Bein darstellt. Wenn vier abgebildete Kieselsteine mit kleinem Zweig sich als vier menschliche Zehen entpuppen. Wenn die Silhouette eines rasierten Kopfes sich genau nachzeichnet in einer fünfhundert Meter weiter hinten befindlichen Bergformation, und zwar beinahe so genau, dass man sogar das Auge wieder zu erkennen vermeint. Der Übergang von Mensch zu Natur wird unübersehbar.

Wir müssen nicht darauf warten, dass Asche zu Asche und Staub zu Staub wird. Mathias Richling zeigt, dass der Mensch schon zu Lebzeiten sehr viel mehr ihn umgebende Natur widerspiegelt, als ihm gemeinhin lieb ist.

Tauchen Sie ein in diese Vergnüglichkeiten.

Denken Sie nicht an den Künstler!

Entdecken Sie sich selbst!


Richling als Fotograf

Was will uns der Künstler denn jetzt damit sagen?

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Viel Vergnügen!