Wenn Richling Richling spielt, dann sind das natürlich unendlich viele. Der Kabarettist holt nicht nur fast das gesamte aktuelle Politpersonal auf die Bühne, sondern auch Personen, deren historische Bedeutung wenigstens ein satirische Nachhaken rechtfertigt. In seinem neuen Programm begegnet die politische Wirklichkeit der Geschichte. Richling untersucht mit satirischen Mitteln die Parallelen in der Entwicklung der Machtverhältnisse damals und heute, und dabei lässt sich nicht verhindern, dass es für das Publikum zur Begegnung mit populären Richling- Klassikern kommt wie Angela Merkels Besuch bei Sigmund Freud oder Ex-Bundespräsident Köhler im verzweifelten Kampf mit dem Teleprompter. Richling, der bekanntlich mit üppig bestückten Bühnenbildern seines Regisseurs Günter Verdin reist, kommt diesmal mit einem einzigen Stuhl aus. Er trägt damit der Feuilleton-These Rechnung, dass es reicht, einen Stuhl auf die Bühne zu stellen, um Kabarett zu machen. Richling und ein Stuhl ... das kann spannend werden! "Wenn Sie ein Bild von der Zukunft haben wollen, so stellen Sie sich einen Stiefel vor, der auf ein Gesicht tritt. Unaufhörlich." George Orwell in seinem Roman "1984" George Orwells literarische Utopie ist längst von der politischen Realität überholt worden, etwa in Bezug auf den Überwachungsstaat. Big Brother schreckt heute niemanden mehr, er ist zur TV- Unterhaltung verniedlicht worden. Zeit also, sich mit 2084 zu beschäftigen. Das neue Programm von Mathias Richling ist nicht science fictional : es spiegelt - dramatisch genug - die Zukunft im Heute wider. Wie zukunftstauglich sind unsere Politiker wie Angela Merkel oder Martin Schulz? In welchen Abgrund führen uns die Machtbesessenen dieser Erde wie Trump, Putin oder Erdogan, welche, jeder auf seine Weise, mit der atomaren Zertrümmerung aller demokratischen Werte begonnen haben? Es macht Sinn, die Geisteshaltung dieser Demagogen bis ins Kenntliche zu karikieren, und deswegen tritt das Polit-Personal bei Mathias Richling zum Test auf Zukunftstauglichkeit an. Dieses Zitat wird übrigens auch Orwell zugeschrieben: "Wenn man Humor kurz illustrieren müsste, dann vielleicht als Würde, die sich auf einen Reißnagel setzt."


Fotos: © Raphael Krötz